Technischer Fortschritt

Könnt ihr euch noch an die 50er Jahre erinnern (wenn ihr denn da überhaupt schon gelebt habt)? Was haben wir es doch heute gut! Denn dank Telefon-Flatrate, Internet und Smartphone können wir auch in diesen kontaktarmen Zeiten mit unseren Freunden und Verwandten wenigstens virtuell verbunden bleiben.

Damals musste jedes Telefonat für sich bezahlt werden. Und ich erinnere mich an Telefonrechnungen von einigen 100 DM, als ein guter Freund von mir sich für längere Zeit in den USA befand 😉 ☹.

Wir hatten in meinem Elternhaus schon recht früh alle technischen Neuerungen, dank meines technik-affinen Vaters, der z. B. auch schon 1953 im Herbst einen Fernseher anschaffte – selbst das damals zumeist ausgestrahlte Testbild, das es schon lange nicht mehr gibt, zog Zuschauer an 😉. Unsere Gaststätte erlebte einen Boom. Egal, was gesendet wurde, es wurde konsumiert; das war also gar nicht so viel anders als heute 😊.

Wenn jemand kam und bat, telefonieren zu dürfen, musste jemand von uns auf die Uhr schauen, und die Minuten notieren, die das Gespräch dauerte, und dann den Preis dafür errechnen, denn eine Minute telefonieren kostete – ich glaube 12 Pfennige im Ortsnetz, Ferngespräche wurden von einem „Fräulein vom Amt“, die es zumindest bis Ende der 70er Jahre noch gab, manuell verbunden. Können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen. Zum Glück!  

Ich erinnere mich auch noch an diverse Situationen in den 70er Jahren, wo irgendetwas auf Reisen z. B. zu Freunden in England mit der Flug- oder Zugverbindung schief lief; heutzutage würde man zum Smartphone greifen und anrufen, aber damals existierte das ja nicht. Und irgendwie lösten sich auch damals erstaunlicherweise die Probleme. Oder sollte man sagen, dass wir durch die damalige Situation kreativer waren als heutzutage? Denn wir mussten uns ja etwas einfallen lassen!

Und die Moral von der Geschicht?: Seid froh, dass wir in diesen Covid-19-Zeiten wenigstens über die Möglichkeiten verfügen, die uns die moderne Technik bietet!

Wochenende, 31.10./01.11.2020

Samstagmorgen war im Briefkasten Post von der Hausverwaltung: eine moderate Mieterhöhung über 30 Euro monatlich; eigentlich dürften sie mehr erhöhen.

Mit Judith gesprochen; wir wollen einmal an den Weihnachtsfeiertagen zusammen kochen und essen: Sie wünscht sich Gänsekeule, Rotkohl, Klöße. Soll sie haben! Einmal im Jahr, an Weihnachten, isst sie auch Fleisch, normalerweise ernährt sie sich vegetarisch.

Samstag war der Geburtstag meines verstorbenen Mannes; 87 wäre er, aber leider verstarb er schon mit 73.

Da hier bei mir nichts los war, erzähle ich eine wahre Geschichte, die wir während einer unserer Reisen erlebten:

Wir waren unterwegs nach Andalusien, übernachteten in Le Boulou in Frankreich, an der Grenze zu Spanien. Am Nachmittag, nach dem Einchecken in unserem Hotel, erkundeten wir ein bisschen die kleine Stadt. Ein ca. einjähriges Kind, es konnte gerade laufen, trieb sich mutterseelenallein in den Gassen herum; keiner der Anwohner wusste, wo das Kind hingehörte. Eine Frau nahm sich des Kindes an und rief die Polizei. Ich kann bis heute nicht verstehen, wie so etwas passieren kann. Und ich weiß auch nicht, wie die Geschichte ausging. Aber eines weiß ich noch: Das Essen im Restaurant am Abend war ganz vorzüglich! Und wir erlebten auch in Frankreich auf unseren vielen Fahrten schlechte bis sehr schlechte Restaurants in unseren Unterkünften.

Am Sonntag erhielt ich Post von der DB: Sie preisen an, wie sicher man doch mit ihnen reist 😉. Ich dachte, man soll nach Möglichkeit zu Hause bleiben?! Da kommt diese Werbung doch zur Unzeit.

Am Sonntagabend dann nach 2 Tagen Wartezeit ein Liefer-Zeitfenster für morgen bei tegut ergattert.

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Ich finde es „lustig“, wenn ich z. B. von Groupon Werbung für Hotels oder Reisen bekomme, wo doch im Augenblick alles dicht ist, und man auch nicht wissen kann, wann wieder normale Zustände herrschen werden. Von so einer Werbung hat doch keiner etwas!

Ich vermisste von meiner Krankenkasse den Fragebogen zur alljährlichen Berechnung meiner Vorauszahlung, damit ich von den Zuzahlungen befreit werde, deshalb rief ich dort gestern Abend an. Am Morgen rief eine Dame zurück und sagte, dass der noch kommt, ich solle mir da keine Sorgen machen. Na gut, aber der muss noch vom Hausarzt ausgefüllt werden, dann von mir, zurück an die KK, die dann aufgrund meiner Rente die Höhe der Zuzahlung ausrechnen, anschließend bekomme ich die Rechnung, und nach Eingang meiner Zahlung bei der KK wird dann die neue Befreiungskarte ausgestellt. Alles braucht seine Zeit, auch wenn meine KK das immer recht flott bearbeitet.

Dann also zu meinem Augenarzt-Termin: alles o.k.

Anschließend, da ich ja in der Innenstadt umsteigen musste, kaufte ich ein Dutzend meiner Lieblingsbrötchen, dann war ich noch bei meinem Metzger. So eine Fahrt muss sich ja lohnen 😉.

Und als ich nach Hause kam, war ein Brief meiner KK im Briefkasten. Diesmal wollen sie keine Auskünfte des Hausarztes, nur die Angabe meiner Rente. Sollen sie haben!

Am Abend konnte ich eine Doppelseite des spanischen Buches kopieren und beschneiden – eine zweite Seite verweigerte das Programm. Aber gut, eine haben wir noch und weiter kommen wir sowieso nicht in der kurzen Zeit, die wir haben. Vielleicht will es ja morgen wieder 😉.

Reisen

Da am Wochenende bei mir so gar nichts Berichtenswertes sich ereignete, greife ich hier ein Thema auf, das ich mir notiert hatte, um es für solche Tage zu verwenden.

Früher bin ich viel gereist, mit meinem zweiten Mann seit Ende der sechziger Jahre immer mal. Kurzreisen nach Paris, ein bisschen länger nach England, denn dort hatten wir Freunde, bei denen wir meist wohnen konnten, einmal hatten wir auch Bekannte mitgenommen, was ein ziemliches Desaster war (aber das könnte mal eine andere Geschichte werden), in den Sommerferien nach Südfrankreich, immer mit Zwischenstopp in Beaune/Burgund, wo wir mal einen Wochenendtrip hin gemacht hatten, und wo wir immer wieder gerne aßen 😉, 1983 in die USA, wo ich dann 1987 noch mal alleine war und dort auch im Jugendamt Dallas als Volunteer arbeitete.

1991 war ich ein Vierteljahr in Thailand.

Dann mit meinem dritten Mann nochmal nach East-Anglia, das aber damals schon sehr teuer geworden war, auch mit unerwarteten Wendungen, wieder mal Burgund, aber ein anderer Teil, die Loire-Schlösser, dann unsere langjährigen Spanienreisen, meist 5 – 6 Wochen lang. Alles mit dem Pkw, da mein Mann nicht fliegen wollte.

Dann nach seinem Tod machte ich die große Reise nach Rajasthan, sehr interessant, aber auch irgendwie verstörend, aber das könnt Ihr in meiner Website http://www.70plus-na-und.de ausführlich lesen, wenn es Euch denn interessiert.

Aber nie fuhren wir in diktatorisch regierte Länder, nie in Länder, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. So verzichtete ich auch 2009 oder 2010 auf eine Reise nach China … und ließ mir lieber eine neue Klarinette bauen 😊.

Und in dieser Beziehung ist die Welt für mich kleiner geworden. Viele, früher doch wenigstens einigermaßen rechtstaatliche Länder haben sich gewandelt: Ungarn, Polen, die Türkei beispielsweise sind entschieden nach rechts gerückt.

Was mich aber vor allem stört, sind die entsetzlichen Touristenströme, die überall auftreten. Und damit gehen natürlich auch Reglementierungen einher, die es früher nicht gab. Konnten mein zweiter Mann und ich seinerzeit, so ca. 1970/71, in Cambridge noch frei überall herumlaufen, auch einfach so in die verschiedenen Colleges, bis in die Versammlungs- und Essenssäle, war das dann 1997, als ich meinem dritten Mann Cambridge zeigen wollte, schon gar nicht mehr möglich: die Colleges waren geschlossen, ein paar konnte man gegen Bezahlung besichtigen, und man musste auch auf ausgewiesenen Touristenpfaden bleiben. Auch die Kirche des King’s College, wo wir in den 70er Jahren noch das gerade damals von einem Säure-Attentat geschädigte Gemälde von Rubens „Anbetung der Könige“ anschauen konnten, war nicht mehr zugänglich, die ganze Flussseite der Colleges war mit einem Zaun abgesperrt.

Ich habe noch Dias vom Nasriden-Palast der Alhambra in Granada, wo fast kein Mensch darauf zu sehen ist. Auch das wird sicher mittlerweile der Vergangenheit angehören und nicht mehr möglich sein (wenn man denn nicht Sonderrechte hat und außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten Zutritt hat).

2013 war ich in Istanbul, das war meine letzte Auslandsreise. Dort wäre ich gerne nochmal hingefahren, aber nach der politischen Entwicklung dort verkneife ich mir das lieber.

Und wenn ich Bilder sehe von Karawanen von Menschen, die auf den Himalaya steigen, oder auf Dromedaren durch eine chinesische Wüste reiten,  oder diese Riesen-Kreuzfahrtschiffe, die mit einem Schiff, wie ich es mir vorstelle, keine Ähnlichkeit mehr haben, dann vergeht mir die Lust auf Reisen endgültig.

Vielleicht nochmal Frankreich oder Irland, wir werden sehen. Am besten Frankreich abseits der großen Touristenströme, das müsste es dort noch geben, hoffe ich jedenfalls.